Im Garten des Exils - Februar 2011

von Marlene Illies

 

 

Im Garten des Exils ist es einsam.

 

Einmal eingetreten nimmt er dich gefangen. Du hörst keinen Schritt und niemand hört dich, allein gehst du deiner Wege.

 

Im Garten des Exils ist es einsam.

 

Gerätst du an ein Ende, steht dort eine Mauer, hinter der kein Ausweg für dich liegt. In anderen Exilen standen andere Menschen an anderen Mauern und suchten fremde Meere nach Schiffen ab. Doch die die kamen, trugen nicht den Namen Heimat.

 

Im Garten des Exils ist es einsam.

 

Manchmal taucht plötzlich ein Gesicht auf, unverhofft, leicht vertraut. Vielleicht ein Nicken, vielleicht ein Lächeln und schon geht jeder wieder seinen Weg durch das immerwährende Gestrüpp der Grenzen.

 

Im Garten des Exils ist es einsam.

 

Derselbe Himmel, dieselbe Erde, derselbe Stein, doch kein Platz ein Haus zu bauen, sich auszuruhen, hinzusetzen. Nur weitergehen und weitersuchen, schwindelig von der schreienden Stille.

 

Im Garten des Exils ist es einsam.

 

Und während wir Geschichte erkunden, wird anderswo auf der Welt Geschichte geschrieben. Neue Menschen suchen neue Exile auf. Die wenigen, deren Namen wir kennen, werden fortgewünscht. Die Tausende, deren Namen wir nicht kennen, sind nicht erwünscht. Aus der Ferne wollen wir sie feiern, doch unsere Heimat, ihr Exil, soll nicht ihr Zuhause sein.

 

Im Garten des Exils ist es einsam.