Die Feder des Blauparadiesvogels aus dem Besitz von Kronprinz Rudolf von Österreich-Ungarn

von Julia da Costa

 

1884 entdeckte der deutsche Ornithologe Carl Hunstein im Osten Neuguineas den Blauparadiesvogel, einen Singvogel mit schwarzen Federn und leuchtendblauen Stellen an Flügeln und Schwanz. Aus Ehrerbietung bedachte er seine Entdeckung nach dem Kronprinz von Österreich-Ungarn mit dem Namen Paradisaea rudolphi und überreichte Rudolf in einer feierlichen Zeremonie auf Schloss Laxenburg eine der kostbaren königsblauen Federn des Singvogels. Dass diese für den jungen Kronprinzen noch eine ganz besondere Bedeutung erhalten sollte, erwies sich erst zu einem viel späteren Zeitpunkt.

 

Rudolf, der einzige Sohn von Kaiser Franz Joseph I. von Österreich und Kaiserin Elisabeth, war äußerst sensibler Natur und wurde daher auf Wunsch des Vaters mittels einer zähen militärischen Ausbildung „abgehärtet“. Damit begann das zeitlebens schwierige Verhältnis von Rudolf zu seinem Vater, dem Kaiser, das auch in politischer Hinsicht den Alltag bestimmte: Franz Joseph tat die liberalen Einwände seines Sohnes bezüglich der konservativen Kaiserpolitik als „dummen Plausch“ ab und nahm ihn nicht weiter ernst. Die Ohnmachtsgefühle, die dieses Verhalten bei dem Kronprinzen auslösten, verstärkten sich noch, als dieser auf Druck des Kaisers im Jahr 1881 Prinzessin Stephanie, die Tochter König Leopolds II. von Belgien heiraten musste. Da sowohl Rudolf, als auch seine frisch Angetraute herrschsüchtig und uninteressiert aneinander waren, entfremdeten sie sich schon bald immer mehr voneinander. Um seiner Frau und seinem Vater aus dem Weg zu gehen und sich abzulenken, frönte der Kronprinz seiner Reiselust und machte sich auf in exotische Länder. Die Feder des Blauparadiesvogels trug er dabei als Symbol der Freiheit immer bei sich.

 

Dennoch wurde Rudolf schnell von den Konflikten und seinen Pflichten im Kaiserhaus eingeholt und wurde immer frustrierter und zynischer. Bald verfiel er dem Alkohol, nahm Drogen und vergnügte sich mit den Damen der Wiener Halbwelt. Er schien auf eigenartige Weise vom Tod fasziniert und hatte stets einen Totenkopf und einen geladenen Revolver auf seinem Schreibtisch liegen.

Im Herbst 1888 machte Rudolf schließlich die Bekanntschaft der erst 17-jährigen Baronesse Mary Vetser, die ihm gegenüber eine hysterische Jungmädchenverliebtheit an den Tag legte. Diese ging so weit, dass sie sich auf einen Pakt mit dem Kronprinzen einließ, der weit über jugendliche Schwärmerei hinausging und die vornehme Wiener Gesellschaft schockieren sollte: Am 30. Januar 1989 fand man Mary Vetsera gemeinsam mit Rudolf im kaiserlichen Jagdschloss Mayerling tot auf. Sie hatten sich mit dem Revolver des Kronprinzen erschossen, um endlich vollständige Freiheit zu erlangen. In der Hand des Kronprinzen entdeckte man die königsblaue Feder des Blauparadiesvogels.

 

Dieser Text ist ein Beitrag für ein (bisher) fiktives Exponat des Museums der unerhörten Dinge.

Hier geht es zum Artikel Die vitale Werkstatt von Daniel Hadrys.

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Kommentare: 1
  • #1

    u=491304 (Montag, 15 April 2013 13:23)

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